Schiedsrichter Florian Schreiber pfiff bei der Futsal-WM der Gehörlosen

Schiedsrichter Florian Schreiber (3. v. l.) durfte bei der Futsal-WM der Gehörlosen unter anderem das Halbfinale zwischen Gastgeber Schweiz und Schweden leiten.

Tief beeindruckt kehrte jetzt Fußball-Schiedsrichter Florian Schreiber von der Futsal-WM der Gehörlosen in der Schweiz zurück. In Winterthur ermittelten 16 Männer- und zwölf Frauen-Teams ihre Weltmeister, am Ende setzten sich die männliche Auswahl Spaniens sowie die Frauen aus Brasilien durch. Während bei den Männern keine deutsche Mannschaft am Start war, belegte das weibliche Team den 3. Platz. An jedem der sieben
Turniertage war auch Florian Schreiber im Einsatz, der jeweils ein Spiel selbst leitete
und bei einem anderen als dritter Offizieller an der Seitenlinie stand. „Die Erfahrungen sind der absolute Wahnsinn“, berichtet Schreiber, der als Hörender unter vielen Gehörlosen zahlreiche Herausforderungen zu meistern hatte. „Einige der Spieler können immerhin ein markantes Geräusch wie einen Pfiff hören“, so der Siegener, der zusätzlich mit einer Fahne ausgestattet war, um Regelverstöße anzuzeigen. Auch dieses optische Signal wird jedoch nicht immer sofort wahrgenommen. „Da gab es dann schon die ein oder andere kuriose Situation, wo man hinter einem Spieler herläuft, weil er mit dem Rücken zu dir steht und die Pfiffe auch nicht hören kann“, erzählt Schreiber. Lustige Szenen, die letztlich kein Problem darstellten. Denn der Sportsgeist wurde von allen Teilnehmern gelebt. „Die Akzeptanz als Schiedsrichter und die Art und Weise, wie die Menschen miteinander umgehen, habe ich so noch nicht erlebt. Da kam es vor, dass beispielsweise asiatische Spieler sich bei mir entschuldigt und bedankt haben, als ich ihnen eine Gelbe Karte gegeben habe. Das macht nachdenklich, wenn man sieht,
was dort möglich ist und was dann teilweise hier auf den Plätzen passiert“, so
Schreiber, der dieses Verhalten in Zeiten, in denen die Gewalt gegen Schiedsrichter
zunehmend ein Thema wird, als Vorbild verstanden sehen will. „Davon können
sich einige eine Scheibe abschneiden“, findet der Referee. Die Belohnung für seine reibungslosen Spielleitungen in Winterthur war die Nominierung für das Männer-Halbfinale zwischen Gastgeber Schweiz und Schweden. „Insgesamt habe ich ziemlich gute Spiele bekommen“, so Schreiber, der auf der DFB-Liste von Deutschlands besten Futsal-Schiedsrichtern steht und auch bei seinen WM-Einsätzen genau beäugt wurde. Das Feedback von Beobachter Stefan Weber war durchweg positiv. „Er war sehr zufrieden“, berichtet der 27-Jährige. In der Schweiz stand am einzigen Ruhetag noch eine Zürich-Fahrt gemeinsam mit den anderen Unparteiischen aus insgesamt sechs Nationen auf dem Programm. „So ein Erlebnis steht und fällt ja immer mit den Leuten, die dabei sind. Da hatten wir echt eine tolle Truppe, die Tag für Tag mehr zusammengeschweißt war“, erzählt Schreiber, der unter anderem das FIFAMuseum besuchte. Zurück in Deutschland stehen für den Referee der SG Siegen-Giersberg neben Spielleitungen „draußen“ in der Westfalenliga auch Einsätze in der höchsten Futsal- Liga, der zurzeit fünfzügigen Regionalliga, an. „Die Top-Teams der WM hätten ohne weiteres auch hier in der Liga mitspielen können. Da waren technisch richtig gute Leute dabei, Russland hatte sogar einen Profi im Team“, so Schreiber. In der übernächsten Saison wird übrigens in Deutschland eine Futsal-Bundesliga eingeführt. Die Spielzeit 2020/21, in der der Deutsche Meister noch ab März im K.o.-System ermittelt wird, dient in den fünf Regionalligen gleichzeitig als Qualifikationsphase für die neue nationale Beletage des Hallenfußballs. Als Schiedsrichter will dort auch Florian Schreiber aktiv sein – und die Aussichten sind gut. „Wenn ich mich nicht verletze oder totalen Mist mache, dann werde ich dabei sein“, sagt der Schiedsrichter. Und bei der Gehörlosen-EM in zwei
Jahren? „Wenn eine Anfrage kommt, dann bin ich sehr gern wieder dabei.“
Denn die Erfahrungen bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz haben Schreiber
tief beeindruckt. Aus Schiedsrichter- Sicht war es wie in einer besseren Welt.

Text: Siegener Zeitung Pascal Mlyniec

Quelle Kabinenbild: Privat.

Quelle Rest: Schweizer Gehörlosen Sportverband